Psychische Erkrankungen, Gehirnstoffwechsel und ketogene Ernährung
Schätzungsweise 85 Millionen Menschen weltweit sind an schweren psychiatrischen Störungen erkrankt und mindestens 280 Millionen an Depressionen. Psychische Erkrankungen entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. In den letzten Jahren rückt dabei zunehmend der Gehirnstoffwechsel in den Fokus der Forschung. Besonders die ketogene Ernährung wird wissenschaftlich untersucht, da Ketonkörper dem Gehirn eine alternative Energiequelle bereitstellen können (Palmer 2022; Sarnyai & Palmer 2020). Erste Studien und klinische Beobachtungen zeigen, dass dieser Stoffwechselzustand möglicherweise Einfluss auf neuronale Stabilität, Entzündungsprozesse und Neurotransmitter-Systeme haben kann.
| Psychische Erkrankung | Mögliche Zusammenhänge mit Stoffwechselprozessen |
|---|---|
| Depression | Veränderungen von Energiehaushalt, Entzündungsprozessen und Neurotransmittern |
| Bipolare Störung | Hinweise auf Veränderungen im Energiestoffwechsel von Nervenzellen |
| Schizophrenie | mögliche Störungen der neuronalen Energieversorgung |
| Angststörungen | Zusammenhang mit Stressreaktionen und Stoffwechselprozessen |
Die ketogene Ernährung ist eine kohlenhydratarme und fettreiche Ernährungsform, die den Stoffwechsel in einen Zustand der sogenannten Ketose versetzt. Dabei nutzt der Körper Ketonkörper statt Glukose als primäre Energiequelle.
Für das Gehirn kann dieser Stoffwechselzustand mehrere potenzielle Effekte haben:
Aus diesem Grund wird die ketogene Ernährung zunehmend auch im Zusammenhang mit verschiedenen psychischen Erkrankungen wissenschaftlich untersucht.
Zunehmend zeigen Studien, dass Ernährungsinterventionen – insbesondere die ketogene Ernährung – auch bei verschiedenen psychischen Erkrankungen untersucht werden. In einer aktuellen Studie der Stanford University mit dem Team um Shebani Sethi wurden 21 Probanden mit Schizophrenie oder bipolarer Störung untersucht. Die Studienteilnehmer hielten über vier Monate eine ketogene Ernährung ein.
Die Ergebnisse zeigten deutliche Verbesserungen:
Diese Ergebnisse unterstreichen den möglichen Zusammenhang zwischen Stoffwechselprozessen und psychischen Erkrankungen.
Auch in klinischen Beobachtungen zeigen sich ähnliche Effekte. Der US-amerikanische Psychiater Dr. Albert Danan behandelte 31 schwer therapieresistente Patienten mit psychischen Erkrankungen, darunter Schizophrenie, bipolare Störungen und Major Depression, während eines stationären Aufenthalts mit einer standardisierten ketogenen Ernährung.
Alle Patienten waren seit mindestens zehn Jahren schwer erkrankt, teilweise sogar seit über 30 Jahren und wiesen ausgeprägte metabolische Auffälligkeiten auf (Übergewicht, gestörter Fettstoffwechsel, erhöhte Blutzuckerwerte oder Bluthochdruck).
28 Patienten hielten die ketogene Ernährung mindestens zwei Wochen durch – mit bemerkenswerten Ergebnissen:
Auch in Europa wird dieser Ansatz weiter erforscht. Timur Lewinski, Leiter der Basler Keto-Mental-Health-Studie, untersucht derzeit die Auswirkung der ketogenen Ernährung bei Depression.
Das Thema gewinnt zunehmend an Bedeutung: Etwa jeder zehnte Erwachsene in Europa nimmt Antidepressiva ein. Da diese Medikamente mitunter erhebliche Nebenwirkungen haben können, wächst das Interesse an ergänzenden Therapieansätzen – etwa Ernährungsstrategien bei psychischen Erkrankungen.
Bei einigen schweren psychischen Erkrankungen scheint die Energieversorgung von Glukose im Gehirn eingeschränkt zu sein. In solchen Situationen können Ketonkörper als alternative Energiequelle für Nervenzellen dienen.
Studien zeigen, dass Ketone:
Diese Mechanismen werden aktuell intensiv im Rahmen der metabolischen Psychiatrie untersucht.
Auch bei Angststörungen wurden in Studien positive Effekte von Low-Carb- und ketogenen Ernährungsformen beobachtet, etwa in Arbeiten von Daniel M. Deutch.
Die bisherigen Studien sind zwar noch relativ klein, dennoch liefern sie erste Hinweise darauf, dass Ernährungsinterventionen bei psychischen Erkrankungen ein vielversprechendes Forschungsfeld darstellen.
Auch in der klinischen Praxis berichten Patienten mit verschiedenen psychischen Erkrankungen häufig über positive Veränderungen unter ketogener Ernährung.
Viele berichten über:
Patienten mit Autismus-Spektrum-Störungen berichten häufig davon, sich besser mit ihrer Umwelt verbunden zu fühlen und soziale Kontakte leichter gestalten zu können.
Auch Patienten mit ADHS berichten häufig über eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit, weniger Ablenkbarkeit und eine insgesamt klarere mentale Struktur im Alltag.
Ein besonders häufig genannter Effekt ist die Verbesserung der Schlafqualität – sowohl beim Einschlafen als auch beim Durchschlafen und in der Tiefe des Schlafs.
Viele Patienten berichten außerdem über eine höhere Stressresistenz: Belastungen werden als weniger intensiv erlebt, und die individuelle Stresstoleranz steigt.
Für viele Menschen entsteht dadurch ein neues Gefühl von innerer Gelassenheit, emotionaler Stabilität und mentaler Klarheit, das sie mit einer pflanzenbasierten ketogenen Ernährung erreichen.
Die ketogene Ernährung verändert den Energiestoffwechsel des Körpers. Dabei entstehen Ketonkörper, die dem Gehirn als alternative Energiequelle dienen können. Ketone können die Blut-Hirn-Schranke passieren und stehen den Nervenzellen direkt zur Energiegewinnung zur Verfügung.
Studien zeigen, dass Ketone besonders effizient zur Energieproduktion in Nervenzellen genutzt werden können. Gleichzeitig fördern sie die Bildung neuer Mitochondrien, also der „Kraftwerke“ der Zellen. Eine stabilere Energieversorgung des Gehirns wird mit verbesserter Konzentration, mentaler Klarheit und kognitiver Leistungsfähigkeit in Verbindung gebracht.
Diese Effekte werden zunehmend im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen und dem Gehirnstoffwechsel untersucht.
Bei verschiedenen psychischen Erkrankungen werden chronische Entzündungsprozesse im Gehirn beobachtet. Ketonkörper können mehrere Mechanismen beeinflussen, die mit Entzündungen und oxidativem Stress zusammenhängen.
Unter ketogener Ernährung entstehen beispielsweise weniger reaktive Sauerstoffspezies (ROS) und freie Radikale. Gleichzeitig können Ketone antioxidative Schutzsysteme des Körpers stärken.
Ein wichtiger Faktor ist dabei Glutathion, eines der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien. Ketone können die Regeneration von Glutathion fördern und dadurch oxidative Belastungen im Gehirn reduzieren.
Darüber hinaus beeinflussen Ketonkörper das sogenannte Inflammasom, ein zentrales Regulationssystem von Entzündungsprozessen im Körper. Dadurch könnten chronisch entzündliche Prozesse im Gehirn abgeschwächt werden.
Ein weiterer möglicher Mechanismus betrifft die Neurotransmitter Glutamat und GABA. Diese beiden Botenstoffe steuern maßgeblich die Erregbarkeit von Nervenzellen im Gehirn.
Ein überhöhter Glutamatspiegel kann zu einer Übererregbarkeit neuronaler Netzwerke führen. Gleichzeitig wirkt GABA als hemmender, stabilisierender Neurotransmitter.
Studien zeigen, dass Ketone das Gleichgewicht zwischen Glutamat und GABA beeinflussen können. Dadurch könnte die neuronale Aktivität stabilisiert werden – ein Mechanismus, der möglicherweise auch bei bestimmten psychischen Erkrankungen relevant ist.
Ketonkörper können auch epigenetische Prozesse beeinflussen. Das bedeutet, sie verändern nicht die Gene selbst, sondern die Art und Weise, wie Gene aktiviert oder deaktiviert werden.
Ein wichtiger Faktor dabei ist NF-κB, ein zentraler Regulator von Entzündungsprozessen. Eine dauerhaft hohe Aktivität dieses Signalwegs wird mit chronischen Entzündungen in Verbindung gebracht.
Studien deuten darauf hin, dass eine kohlenhydratarme und ketogene Ernährung die Aktivität bestimmter entzündungsfördernder Signalwege reduzieren kann. Dadurch könnten entzündliche Prozesse im Körper und im Gehirn abgeschwächt werden.
Ketogene Ernährung nur unter ärztlicher Begleitung!
Wenn eine ketogene Ernährung bei psychischen oder psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt wird, sollte die Umstellung immer unter fachkundiger ärztlicher Begleitung erfolgen.
Gerade wenn Medikamente eingenommen werden oder langfristige Veränderungen geplant sind, ist eine medizinische Betreuung notwendig, um Therapieeffekte sicher zu begleiten und mögliche Anpassungen der Behandlung vorzunehmen.
Unsere Patienten haben beeindruckende Erfolge mit unserer Keto-Diät erzielt.
In unserem Zentrum für ganzheitliche Medizin begleiten wir Menschen mit psychischen Erkrankungen mit einem integrativen Ansatz aus moderner Medizin, Stoffwechselmedizin und ketogener Ernährung. Vor Ort in Freiburg oder bequem per Online-Sprechstunde.
Ihre Dr. Brigitte Karner & Ihr Dr. Wolfgang Karner
Keto-Coaches
Die folgenden wissenschaftlichen Studien untersuchen den Zusammenhang zwischen ketogener Ernährung, Stoffwechselprozessen und psychischen Erkrankungen.
Garner S. (2024): Ketogenic diet has a positive association with mental and emotional well-being in the general population
Die Keto Studie →
Danan A. (2022): The Ketogenic Diet for Refractory Mental Illness: A Retrospective Analysis of 31 Inpatients
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– Störungsspezifische und transdiagnostische Veränderung der Inflammationsaktivität bei psychischen Störungen
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– Ernährung, Stoffwechsel, Gehirn und mentale Gesundheit
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– The ketogenic diet may have mood-stabilising properties
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– The ketogenic diet for type Il bipolar disorder
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– The ketogenic diet and remission of psychotic symptoms in schizophrenia: Two case studies
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– A pilot study of the ketogenic diet in schizophrenia
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– Schizophrenia, gluten, and low-carbohydrate, ketogenic diets: a case report and review of the literature
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Suppression of oxidative stress by B-hydroxybutyrate, an endogenous histone deacetylase inhibitor
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– Cytokines sing the blues: inflammation and the pathogenesis of depression
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– Brain metabolism during fasting
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– Regulation of GABA level in rat brain synaptosomes: fluxes through enzymes of the GABA shunt and effects of glutamate, calcium, and ketone bodies
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– The potential use of histone deacetylase inhibitors in the treatment of depression
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– The antidepressant properties of the ketogenic diet
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– Efficacy of low carbohydrate and ketogenic diets in treating mood and anxiety disorders: systematic review and implications for clinical practice
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– Ketogenic Diet Intervention on Metabolic and Psychiatric Health in Bipolar and Schizophrenia: A Pilot Trial
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– The Role of Ketogenic Metabolic Therapy on Brain Function in Serious Mental Illness
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– The Potential Role of the Ketogenic Diet in Serious Mental Illness
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– The Effects of Ketogenic Metabolic Therapy on Mental Health and Metabolic Outcomes in Schizophrenia and Bipolar Disorder
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– Ketogenic Diet and Bipolar Disorder: A Systematic Review
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– Ketogenic Diet in Refractory Mental Illness: Case Series and Clinical Observations
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– Ketogenic Diet and the Treatment of Mental Disorders
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– Impact of a Ketogenic Diet on Metabolic and Psychiatric Health in Bipolar Disorder
Die Keto Studie →
– Ketogenic Metabolic Therapy in Serious Mental Illness (Stanford Trial)
Die Keto Studie →
Zunehmend zeigen Studien, dass Stoffwechselprozesse im Gehirn eine Rolle bei verschiedenen psychischen Erkrankungen spielen können. Ernährungsformen wie die ketogene Ernährung werden deshalb wissenschaftlich untersucht, weil Ketonkörper dem Gehirn eine alternative Energiequelle bereitstellen und entzündliche Prozesse beeinflussen können.
Die ketogene Ernährung wird derzeit unter anderem bei Depression, bipolarer Störung, Schizophrenie und Angststörungen untersucht. Erste Studien und klinische Beobachtungen zeigen Hinweise auf mögliche Verbesserungen von Stimmung, Konzentration und Stoffwechselparametern.
Ketonkörper können die Blut-Hirn-Schranke passieren und dienen den Nervenzellen als Energiequelle. Studien zeigen, dass sie unter anderem Entzündungsprozesse reduzieren, die mitochondriale Funktion unterstützen und Neurotransmitter-Systeme stabilisieren können.
Ja. Wenn eine ketogene Ernährung bei psychischen oder psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt wird, sollte dies immer unter ärztlicher Begleitung erfolgen. Besonders wenn Medikamente eingenommen werden, ist eine fachkundige Betreuung wichtig. Jetzt Termin vereinbaren und beraten lassen!
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