Psychische Erkrankungen

Ketogene Ernährung als Medizin bei Psychischen Erkrankungen

Schätzungsweise 85 Millionen Menschen weltweit sind an schweren psychiatrischen Störungen erkrankt und mindestens 280 Millionen an Depressionen.

Die herkömmlichen Therapien können nur teilweise helfen. 19 % der depressiv Erkrankten gelten als behandlungsresistent, und auch nur 23 % der an Schizophrenie Erkrankten sprechen auf antipsychotische Medikamente (Neuroleptika) an. Die schweren Nebenwirkungen der Neuroleptika verschlechtern oft die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Dazu zählen Stoffwechselstörungen, Gewichtszunahme, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettstoffwechselstörungen. Zwei Drittel aller Betroffenen entwickeln Adipositas. Gerade wegen der vielen Nebenwirkungen setzen circa 74 % der Patienten versuchsweise ihre Medikamente wieder ab, was zu Rückfällen führt und den Teufelskreis weiter verschlimmert. In vielen Fällen sind die Medikamente zwingend notwendig zur Therapie, heilen jedoch die Ursache der Erkrankung nicht. Gerade bei psychiatrischen Erkrankungen sind daher Ansätze, die den Ursachen der Erkrankung auf den Grund gehen und nachhaltig die Beschwerden verbessern, von äußerster Bedeutung.

Aktuelle Studien zeigen, dass ketogene Ernährung selbst bei sehr schweren psychiatrischen Erkrankungen sinnvoll und erfolgreich in die Behandlung integriert werden kann.

Schon seit Langem ist bekannt, dass ketogene Ernährung bei Erkrankungen des Gehirns und der Nerven hilfreich sein kann. Bereits die alten Griechen behandelten mit Fasten, und auch in der Bibel ist eine Behandlung der Epilepsie durch Fasten beschrieben. Bei bestimmten Formen der Epilepsie gehört ketogene Ernährung sogar seit jeher zur Leitlinientherapie. Bei pharmakoresistenter Epilepsie ist sie sogar die einzig wirksame Therapieform. Daher überraschen diese aktuellen Studienergebnisse kaum, da es keinen Grund gibt, warum nicht andere mentale, neurologische oder psychische Erkrankungen ebenso gut auf ketogene Ernährung ansprechen sollten.

Doch dass sogar Patienten mit schweren Verläufen einer Schizophrenie ihre Medikamente absetzen konnten, ihre Stoffwechselparameter deutlich verbessert wurden und sogar Langzeiterkrankte komplett wieder genesen, ist sehr beeindruckend. Der Haupteffekt scheint zu sein, dass ketogene Ernährung die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn herabreguliert.

Aktuelle wissenschaftliche Belege

In einer aktuellen Studie der Uni Stanford mit dem Team um Shebani Shanti wurden 21 Probanden mit Schizophrenie oder bipolarer Störung untersucht. Mit den Studienteilnehmern wurde vier Monate lang die ketogene Ernährung durchgeführt.

  • Alle berichteten über einen deutlich verbesserten Schlaf.
  • Der Gesamtzustand hat sich durchschnittlich um 31 % verbessert.
  • Die Stoffwechselparameter waren 29 % besser als vor Beginn der Diät.
  • Das Wohlbefinden, die Konzentration und die Stimmung haben sich bei allen gebessert.


In den USA hat Dr. Albert Danan bei 31 seiner schwersten therapieresistenten Fälle mit Schizophrenie, bipolaren Störungen und Major Depression während eines stationären Aufenthalts eine standardisierte ketogene Ernährung durchgeführt. Alle Patienten waren seit mindestens zehn Jahren schwer erkrankt, manche sogar schon seit 30 Jahren, und hatten alle sehr auffällige Stoffwechselwerte (Gewicht, Fettstoffwechselwerte, Blutzuckerwerte, Blutdruck etc.).

28 von ihnen haben die Keto-Diät mindestens zwei Wochen durchgehalten, mit folgenden Ergebnissen:

  • 43 % erreichten eine komplette Remission ihrer Symptome.
  • 64 % konnten ohne psychiatrische Medikamente entlassen werden.
  • Bei allen verbesserten sich signifikant die Stoffwechselparameter.
  • Alle fühlten sich nach dieser zweiwöchigen ketogenen Ernährungsumstellung so wohl wie schon lange nicht mehr.

Timur Lewinski, der Leiter der Basler Keto-Mental-Health-Studie, untersucht derzeit die Auswirkung der Keto-Ernährung bei Depressionen näher. Jeder zehnte Erwachsene im europäischen Raum nimmt Antidepressiva ein. Da auch diese schwere Nebenwirkungen haben können, ist es ihm ein Anliegen, dass die Keto-Ernährung als Behandlungsalternative bekannter wird.

Bei schweren Erkrankungen des Gehirns kann Zucker als Energielieferant nur schlecht verwertet werden. Gerade dann kommen Ketone als Energielieferanten ins Spiel. Nachgewiesenermaßen verbessern Ketone die Stimmung und reduzieren die Entzündungsprozesse im Gehirn.

Auch in Bezug auf Angststörungen werden positive Effekte durch Low-Carb- und ketogene Diäten nachgewiesen, wie zum Beispiel durch die Studie von Daniel M. Dietch.

Das sind bisher zwar kleine Studien, und größere müssen folgen, doch machen schon diese Daten Mut, die Keto-Ernährung, die unter fachkompetenter Anleitung niemals schaden kann, bei psychischen Erkrankungen unbedingt auszuprobieren – zumindest begleitend zur bestehenden Medikation.

Auch unsere Erfahrungen zeigen selbst bei weniger schwer Erkrankten die spürbaren Effekte der Ketone auf eine balancierte Stimmungslage, reduziertes Stressempfinden, verbesserte Konzentration, das Gefühl der inneren Ausgeglichenheit und der mentalen Klarheit.

Patienten mit Autismus-Spektrum-Störungen berichten davon, besser mit sich selbst und der Umgebung verbunden zu sein, zwischenmenschliche Kontakte besser pflegen zu können und ihren Alltag insgesamt sehr viel besser bewältigen zu können.

Unsere Patienten mit ADHS berichten, durch die Keto-Ernährung viel fokussierter zu sein, weniger abzuschweifen und viel klarer und strukturierter arbeiten zu können. Sie alle empfinden die Keto-Ernährung als eine sehr starke Hilfe zur Alltagsbewältigung. Nahezu alle Patienten berichten über verbesserten Schlaf, was sowohl das Einschlafen, das Durchschlafen als auch die Schlaftiefe betrifft. Auch das Stressempfinden verändert sich sehr positiv. Zum einen werden Belastungen als weniger stressig empfunden, zum anderen erhöht sich die Stressschwelle. Das bedeutet, dass die Stresstoleranz größer wird. Das Gefühl der inneren Gelassenheit ist für viele Menschen ein wertvoller Aspekt, den sie durch die pflanzenbasierte Keto-Ernährung erzielen

Keto Fischgericht als Beispiel für die Keto-Ernährung bei Psychischen Erkrankungen

Wie genau wirken Ketone auf unsere Psyche?

Die bisher bekannten und wahrscheinlich effektivsten Einflüsse der Ketone auf unser Gehirn sind:

Auf die Energiekrise im Gehirn:

Bei mentalem Stress entsteht eine Energiekrise im Gehirn. Hier helfen Ketone als effektive Energieträger. Bisher ging man davon aus, dass unser Gehirn zu 100 % auf Zucker angewiesen ist. Inzwischen weiß man, dass 70 % des Energiebedarfs des Gehirns über Ketone gedeckt werden können. Ketone können über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn gelangen und stehen dort direkt als Energiequelle zur Verfügung. Das Gehirn bevorzugt sogar Ketone gegenüber Glukose. Sie verbrennen deutlich sauberer und effektiver. Im Gehirn werden durch Ketone außerdem neue Mitochondrien gebildet, die dem Gehirn als “Kraftwerke” zur Energiegewinnung dienen. Daher fühlen wir uns unter Keto-Ernährung leistungsfähiger, konzentrierter, fokussierter und klarer. Die Denkleistung verbessert sich im Kurz- und Langzeitbereich.

Auf Entzündungen:

Bei psychischen Erkrankungen entstehen Entzündungsprozesse im Gehirn. Ketone können Entzündungen und oxidativen Stress im Gehirn reduzieren. Das geschieht auf verschiedene Art und Weise: Schon bei der Entstehung von Ketonen entstehen weniger freie Radikale und ROS (reaktive Sauerstoffspezies). Freie Radikale lösen Entzündungsreaktionen aus. Ketone wirken antioxidativ, d. h. sie binden freie Radikale und verhindern dadurch entzündliche Prozesse. Ketone fördern außerdem die Regeneration von Glutathion, einem körpereigenen, sehr wichtigen Antioxidans, das die Leber herstellt. Es ist der potenteste, körpereigene Radikalfänger. Ein weiterer Effekt ist die Wirkung der Ketone auf unser sogenanntes Inflammasom. Ketone hemmen dadurch chronisch entzündliche Erkrankungen.

Wenn anhaltende Effekte erzeugt werden sollen oder Medikamente angepasst oder reduziert werden, sollte eine ketogene Ernährungsumstellung auch bei psychischen und psychiatrischen Erkrankungen nur in Begleitung eines fachkundigen Arztes durchgeführt werden. Die Umstellung darf niemals auf eigene Faust erfolgen.

Auf die Neurotransmitter:

Ketone wirken regulierend auf unsere Neurotransmitter Glutamat und GABA. Sie regulieren damit die Erregbarkeit unserer Nervenzellen im Gehirn. Wahrscheinlich ist das der Haupteffekt bei psychischen Erkrankungen. Wenn wir unter einem hohen Glutamatspiegel stehen, befindet sich das Reizleitungssystem in einem überregulierten und überaktiven Zustand – wir stehen quasi unter Strom. Durch Ketone wird der Glutamatspiegel herunterreguliert und der GABA-Spiegel hochreguliert. Das bedeutet, dass mehr bremsende, ausgleichende Botenstoffe gebildet werden, die uns in eine ausgeglichene Stimmungslage versetzen. Wir fühlen uns dadurch weniger angetrieben und innerlich mehr in Balance.

Auf die Genexpression:

Ketone regulieren unsere Gene und haben dadurch eine epigenetische Wirkung. Sie beeinflussen die Ablesbarkeit unserer Gene. Ketonkörper greifen über verschiedene Mechanismen in die Regulation unserer Gene ein. So können sie dafür sorgen, dass manche Genabschnitte häufiger und andere seltener abgelesen werden. Dadurch werden Entzündungsreaktionen abgemildert (z. B. Vermeidung eines Zytokinsturms), oder es werden Tumor-Suppressorgene aktiviert, die die Entstehung von bösartigen Zellverbänden verhindern können. Der wichtigste Faktor im Entzündungsgeschehen ist jedoch NF-KappaB. Es reguliert viele Gene, die für die Immunantwort zuständig sind. Für überschießende Immunreaktionen ist meist eine Überreaktion von NF-KappaB verantwortlich. Kohlenhydratreiche Ernährung führt zu einer übermäßigen NF-KappaB-Expression. Keto-Ernährung, die auch reich an sekundären Pflanzenstoffen ist, kann NF-KappaB und seine ungünstigen Signalwege auf Entzündungsprozesse hemmen.

Unsere Patienten haben beeindruckende Erfolge mit unserer Keto-Diät erzielt.

Das berichten unsere Patientinnen:

Haben Sie psychische Beschwerden?

Wir begleiten Sie
 in unserem Zentrum für ganzheitliche Medizin. Vor Ort in Freiburg oder auch in Form einer Online Sprechstunde.

Ihre Dr. Brigitte Karner & Ihr Dr. Wolfgang Karner
Keto-Coaches

Keto Spezialist, Keto Arzt und Coach

Wissenschaftliche Studien zu ketogener Ernährung und psychischen Erkrankungen:

Garner S. (2024): Ketogenic diet has a positive association with mental and emotional well-being in the general population
Die Keto Studie

Danan A. (2022):  The Ketogenic Diet for Refractory Mental Illness: A Retrospective Analysis of 31 Inpatients
Die Keto Studie

– Störungsspezifische und transdiagnostische Veränderung der Inflammationsaktivität bei psychischen Störungen
Die Keto Studie

– Ernährung, Stoffwechsel, Gehirn und mentale Gesundheit
Die Keto Studie

– The ketogenic diet may have mood-stabilising properties
Die Keto Studie

– The ketogenic diet for type Il bipolar disorder
Die Keto Studie

– The ketogenic diet and remission of psychotic symptoms in schizophrenia: Two case studies
Die Keto Studie

– A pilot study of the ketogenic diet in schizophrenia
Die Keto Studie

– Schizophrenia, gluten, and low-carbohydrate, ketogenic diets: a case report and review of the literature
Die Keto Studie

Suppression of oxidative stress by B-hydroxybutyrate, an endogenous histone deacetylase inhibitor
Die Keto Studie

– Cytokines sing the blues: inflammation and the pathogenesis of depression
Die Keto Studie

– Brain metabolism during fasting
Die Keto Studie

– Regulation of GABA level in rat brain synaptosomes: fluxes through enzymes of the GABA shunt and effects of glutamate, calcium, and ketone bodies
Die Keto Studie

– The potential use of histone deacetylase inhibitors in the treatment of depression
Die Keto Studie

– The antidepressant properties of the ketogenic diet
Die Keto Studie

– Wir essen mehr Kohlenhydrate, als sinnvoll ist
Die Keto Studie

– Efficacy of low carbohydrate and ketogenic diets in treating mood and anxiety disorders: systematic review and implications for clinical practice
Die Keto Studie